Hochbegabung bei Migrantenkindern erkennen - Linktipp

Fotografie: Cigdem Gül
Bei Kindern, die durch Migration zweisprachig und multikulturell aufwachsen, ist Hochbegabung manchmal schwer zu erkennen. Sie kann durch die Zweisprachigkeit verschleiert werden.

Im Blog Interkulturelles Netzwerk für Hochbegabte, hat Cigdem Gül eine gute Liste von Merkmalen zusammengestellt, anhand derer MigrantInnen herausfinden können, ob bei ihren Kindern Anzeichen von Hochbegabung vorliegen.


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Sieben Fragen an Manon Garcia


Wer sich in der Welt der Hochbegabung tummelt, ist Manon Garcia sicher schon im Netz oder bei einem ihrer Vorträge begegnet. Sie ist Coach für Hochbegabte und hat gerade ihren zweiten Ratgeber für Hochbegabte Erwachsene veröffentlicht


1. Manon, Dein zweiter Ratgeber trägt den Titel "Hochbegabte oder hochsensibel - Das Anderssein leben".  Zum Anderssein kommen wir gleich, aber erst mal möchte ich dich fragen, warum sich dieser Ratgeber sowohl an Hochbegabte als auch an Hochsensible richtet und wie für dich Hochbegabung und Hochsensibilität zusammenhängen?
Der aktuelle Ratgeber richtet sich an Menschen, die anders sind und das Anderssein leben möchten. Hochbegabung und Hochsensibilität hängt für mich insofern zusammen, dass beide Gruppenteilnehmer_innen anders sind und von der Gesellschaft oder ihrem Umfeld mitunter ausgeschlossen oder ausgegrenzt werden. Da das Ausgegrenztsein bzw. die Nicht-Zugehörigkeit zu Krankheiten führen oder die Persönlichkeitsentwicklung massiv beeinflussen kann, ist es wichtig sich auf sich zu besinnen, um seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Wer die Mechanismen der Gesellschaft oder von Gruppen versteht, bezieht Verahltensweisen nicht mehr unbedingt auf sich und kann beginnen sich von Innen aufzubauen. Und somit mehr Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen oder Selbstliebe zu entwickeln, um sein Anderssein zu leben.


2. Du hast ja drei Jahre an deinem zweiten Ratgeber gearbeitet und viel Energie und Herzblut in das Projekt gesteckt. So ein Crowdfunding und das Selbstverlegen ist ja eine Menge Arbeit. Was ist für dich der "Stachel", der dich bei diesem Projekt getrieben hat, der Kern des Projekts, das, was du unbedingt sagen oder in die Welt bringen wolltest und das dir die Energie gegeben hat?

Das waren die Reaktionen auf mein erstes Buch "Hochbegabung bei Erwachsenen". Zum einen kamen viele positive Rückmeldungen, in denen mir beispielsweise gesagt wurde, wie sehr ihnen mein Buch geholfen hätte. Oder es waren Leser_innen, die mein erstes Buch "Hochbegabung bei Erwachsenen" lasen und mich fragten, wie sie ihre Hochbegabung leben können. Sie fanden sich im ersten Buch wieder, aber ihnen fehlte eine Anleitung, wie sie sich ändern und ihr Anderssein leben können.

Zum anderen durfte ich erfahren, wie sehr man sich als Mensch verändern kann. In den letzten Jahren habe ich viel über mich, die Mechanismen der Gesellschaft und den Aufbau von Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstliebe gelernt. Im zweiten Ratgeber wollte ich mein Wissen, wie ich mit meiner Hochbegabung und Hochsensibilität mein Anderssein leben lernte, veröffentlichen. Ich hoffe, dass ich mit diesem Ratgeber wieder vielen Menschen helfe, dass sie - wie ich - ihr Anderssein leben lernen und intensiver und zufriedener leben.


3. Das Anderssein ist ja hier im Blog ein zentrales Thema. Das liegt auch daran, dass ich als junge Frau sehr damit gehadert habe, meinen Weg zwischen Anderssein und Anpassung zu finden und irgendwann begriffen habe, dass ich mein Anderssein nicht unterdrücken will und kann. Magst du was zu deinem eigenen Werdegang in Bezug auf das Anderssein erzählen?

Bei mir war es so, dass ich mich ab einem bestimmten Alter perfekt anpasste und funktionierte. Das führte dazu, dass dieses angespasste Verhalten von allen Seiten gelobt wurde und ich Anerkennung erhielt. Allerdings entfernte ich mich immer weiter von mir selbst – ohne es zu merken. Ich brauchte erst die sehr deutlichen Hinweise meines Körpers, der mir mit psychosomatischen Beschwerden, Depressionen und einem Zusammenbruch dafür sorgte, das ich mich und mein Leben hinterfragte. Ich musste feststellen, dass ich nicht wusste, wer ich war, aber ich konnte perfekt sagen, was andere von mir erwarteten und was ich tun musste, um mein Lob und meine Anerkennung zu erhalten. Das schmerzte! Dann begann eine harte Zeit, in der ich herausfand, wer ich wirklich war. Anschließend begann die Phase, in der ich mich anderen näherte und versuchte trotzdem ich zu bleiben. Das waren sehr harte Jahre, aber ich kann im Nachhinein sagen, dass ich dafür jetzt viel intensiver lebe. Diese Intensität, die Zufriedenheit, die ich fühle entschädigt für ganz viel.


4. Als wir uns kennenlernten, hattest du deine Hochbegabung ja noch gar nicht so lange entdeckt und war dein Thema, wie wichtig aber auch einschneidend und überwältigend es für erwachsene Hochbegabte sein kann, endlich die eigene Hochbegabung zu entdecken. Deine Erfahrungen hast du in deinem ersten Ratgeber verarbeitet und vielen LeidensgenossInnen damit sehr geholfen. Inzwischen sind viele Jahre vergangen, inzwischen arbeitest du schon lange als Coach für Hochbegabte, hältst Vorträge und hast dich mit vielen hochbegabten und hochsensiblen Menschen ausgetauscht. Was sind nach deiner Erfahrung die größten Herausforderungen für Hochbegabte Erwachsene in unserer Gesellschaft?

Die größte Herausforderung ist, man selbst zu sein bzw. zu bleiben. Seinen Weg gehen ohne sich zu verleugnen, egal, wie lockend die Verführungen sind. Denn, wer sich selbst ignoriert oder leugnet, erhält früher oder später seine Quittung.


5. Viele, die zu mir ins Coaching kommen, erzählen dass sie sich ihr ganzes Leben über gewünscht haben, "normal" zu sein. Sie würden gerne auf den hohen IQ oder die Sensibilität verzichten, wenn sie dafür besser in die Gesellschaft passen und endlich richtig "dazugehören" könnten. Mich macht das immer wieder sehr traurig, dass so wunderbare Menschen, mit so wunderbaren Begabungen, in unserer Gesellschaft nicht positiv aufgenommen werden, sondern im Gegenteil das Gefühl vermittelt bekommen, "falsch", "gestört" oder "verrückt" zu sein. Was meinst du müsste passieren, damit hochbegabte oder Hochsensible Kinder und Jugendliche ihre Begabungen wertschätzen können und ein positives Selbstbild entwickeln können?

Es geht ja nicht nur um Kinder oder Jugendliche, sondern auch um Erwachsene. Damit sich hochbegabte Menschen wertschätzen können, benötigen sie ein gesundes Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und gesunde Selbstliebe. Ein positives Selbstbild entwickelt sich durch positive Wertschätzung von außen und von innen. Aber damit wird das Dilemma deutlich. Wenn das eine nicht vorhanden ist, kann das andere nicht aufgebaut werden.


Wichtig für jeden jungen Menschen ist ein wohlwollendes Umfeld bzw. mindestens einen Mentor, der an einen glaubt und fördert/fordert. Ich halte zum Beispiel nichts davon die Schuljahre irgendwie abzusitzen, da es eine viel zu lange Zeit ist, in der viele negative Prägungen entstehen können. Eine stimmige Schulwahl ist deshalb wichtig. Ebenso wäre es wichtig sich Gruppen zu suchen, in denen die Menschen ihre Wertschätzung erhalten für das, was sie sind und nicht für das, was sie vorgeben zu sein. Es gibt einige Vereine für Hochbegabung und Hochsensibilität. Auch im Internet gibt es viele Foren und Selbsthilfegruppen. Es gibt so viele Gruppen, es müssen ja keine sein, die sich auf die Eigenschaften beschränken, es können auch Interessengruppen sein. Durch das Internet sind Entfernungen quasi nicht mehr vorhanden. Die Welt steht jedem offen. Geht hinaus und sucht euch Gleichgesinnte, mit denen ihr euch wohlfühlt.

Für Erwachsene, die kein entsprechendes Umfeld besitzen, ist es wichtig, dass sie sich selbst der Mentor oder die unterstützende Person sind, die sie brauchen, um ein positives Selbstbild zu entwickeln. Hierbei gibt es eine Strategien, die ich in meinem Buch beschreibe.


6.  Da das ja nun leider noch nicht so ist, haben viele Hochbegabte ein schlechtes Selbstbild. Du gibst in deinem Ratgeber Hilfe zur Selbsthilfe. Was sind die wichtigsten Schritte auf dem Weg dazu, das Anderssein glücklich zu leben?


Als erstes beschreibe ich die Mechanismen, die in einer Gesellschaft herrschen. Wer diese versteht, bezieht weniger auf sich, kann den Blick zu sich wenden. Wichtig ist, dass Menschen lernen auf sich zu hören und weniger auf das, "was man" macht oder tun sollte. Wer sich reflektiert, bei sich ist, sich und die anderen versteht, bezieht nicht mehr so viel auf sich, kann Aussagen auf der Sachebene aufnehmen. Gut wäre es natürlich, wenn man jemanden an seiner Seite hat, der/die einen stützt, hilft oder motiviert. Das kann auch auf Gegenseitigkeit beruhen. Es ist leichter zu weit, als alleine. Aber es funktioniert auch alleine. Auch der Austausch in Gruppen kann hilfreich sein, umzu sehen, dass man nicht alleine mit seinen Problemen ist. Und dann heißt es natürlich sich von innen aufbauen und stärken. So schwer es einem anfangs auch fällt, es ist der einzige Weg, damit andere einen so respektieren, wie man es sich wünscht. Nur wer sich selbst kennt, vertraut, mag, liebt, respektiert und akzeptiert, wird so entsprechend von seinem Umfeld aufgenommen.


7. Hast du ein Motto für deinen eigenen und "anderen" Weg?
Lebe dein Anderssein! ☺




Ein herzliches Danke für Deine Antworten Manon!

 


"Hochbegabt oder hochsensibel - Das Anderssein leben".
Das Buch ist in allen Buchhandlungen und im Online-Buchhandel erhältlich.

Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3732234349
Preis: 22,80 € (Taschenbuch), 13,99 € (eBook)
Seiten: 392 Seiten

Link zu amazon (Taschenbuch)


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Leseempfehlung: Interkulturelles Netzwerk für Hochbegabung


Ich möchte Euch ein Blog empfehlen, dass nicht nur für hochbegabte MigrantInnen interessant ist, sondern für alle, die auch auf dem Gebiet der Hochbegabung über den Tellerrand unserer eigenen Kultur schauen möchten: 

Çiğdem Güls Blog "Interkulturelles Netzwerk für Hochbegabte". 

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Erfinden mit hochbegabten Kindern - vom Kurs zum Buch :-).

Es ist da - mein Erfinder-Kritzelbuch! Ein Buch, mit dem ich Kinder inspirieren will, selber Dinge zu erfinden. Ihren Ideen freien Lauf zu lassen - egal ob sie realisierbar sind.
Die erste Idee für diese Buch hatte ich schon vor gut 10 Jahren: Damals gab ich meine ersten Erfinderkurse für Kinder. Die Teilnehmer - junge Hochbegabte und Legastheniker - haben mich durch ihre große Kreativität und ihren Erfindergeist sehr beeindruckt - mit ihnen zusammenzuarbeiten hat unglaublich viel Spaß gemacht. Und ich hatte schnell die Idee, ein Buch zum Thema Erfinden zu machen. Aber wie das so ist - die Zeit fliegt und ich hatte immer so viele andere spannende Projekte (bin halt auch ein echter Scanner :-) ). Aber Ende 2012 hab ich mir dann endlich die Zeit für dieses Herzensprojekt genommen. Ich hab mir eine Deadline von drei Monaten gestellt und wie verrückt gezeichnet, gebastelt und geschrieben. Zum Glück habe ich schnell eine Literaturagentur gefunden, die das Buch vertreten und einen Verlag, der es veröffentlichen wollte.

Für mich war es auch eine Premiere: Beim Erfinder-Kritzelbuch habe ich zum ersten mal alles selbst gemacht: Text, Illustrationen und Cover-Gestaltung. Das war eine schöne Erfahrung. Und auf diese Weise will ich weiter arbeiten - für 2015 sind drei weitere Veröffentlichungen geplant. Darunter auch ein Buch zum Thema Hochbegabung - dazu bald mehr.

Das Erfinder-Kritzelbuch, Nathalie Bromberger, Coppenrath Verlag, 9,95 Euro.




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