Sind Sie noch Katze oder schon Hund? - Manon Garcias Buch über Hochbegabung

Endlich kommt auch in Deutschland Schwung in die Diskussion über Hochbegabung. Schon Andrea Brackmanns Bücher haben das Thema differenzierter und nuancierter betrachtet, Hochbegabung bekam mehr Tiefe und es wurde deutlich, dass es "die Hochbegabten" nicht gibt, das es wichtig ist, auch die Unterschiede zwischen Hochbegabten im Blick zu haben.
Mit ihrem Buch "Kluge Mädchen. Frauen entdecken ihre Hochbegabung" hat Katharina Fietze die Diskussion auf ebenso vernachlässigtes Thema gelenkt: die besondere Situation hochbegabter Mädchen und Frauen. Frauenforschung goes Hochbegabung (und das ist fast schon ein Paradigmenwechsel!).
Manon Garcias im September erschienenes Buch scheint mir die Diskussion auf eine andere Stufe zu führen. Nicht weil das Buch Ergebnis einer sehr ausführlichen Recherche von psychologischen Theorien zur Hochbegabung ist. Nicht weil das Buch einen guten Überblick über verschiedene Modelle zur Hochbegabung gibt. Nicht weil die Autorin deutlich  macht, wie dramatisch es ist, wenn Hochbegabung erst spät im Leben entdeckt ist, welche Folgen das lange Nichtentdecktsein für die Persönlichkeit der Hochbegabten hat. Nicht, weil sie praktische Tipps gibt, wie die endlich entdeckte Hochbegabung in das eigene Leben integriert werden kann. Alles gute Gründe dieses Buch zu lesen, aber, was dieses Buch in meinen Augen wirklich zu einem neuen Meilenstein macht, ist die Tatsache, dass sich hier endlich eine Hochbegabte zu Wort meldet. Zu lange haben nur andere - Wissenschaftler, Psychologen, Pädagogen - über Hochbegabte geredet, analysiert, problematisiert. Weil Hochbegabte verschämt, verunsichert oder eben: nicht entdeckt, in ihren Nischen saßen und an ihrer Weltsicht zweifelten.
Wie ein Hund, der in einer Welt von Katzen aufwächst. Mit dieser Metapher beschreibt die Autorin, Gefühle, die vielen spät entdeckten Hochbegabten nur zu bekannt sind: das Gefühl falsch oder verrückt zu sein, am falschen Platz, in der falschen Zeit zu leben, nicht dazuzugehören. (Und wer wie ich Katzen für viel intelligenter hält als Hunde, der dreht im Kopf die Metapher einfach um). Erst wenn der Hund eines Tages entdeckt, dass sein "Wuff" nicht eine Sprachstörung ist, sondern für einen Hund ganz normal, kann er sich mit sich selbst versöhnen, seine Hunde-Persönlichkeit entdecken, entfalten und wertschätzen.
Und dann entdecken diese Hunde, eh Hochbegabten, dass sie selbst Experten für Hochbegabung sind. Und hoffentlich wagen noch mehr, was Manon Garcia hier angefangen hat und formulieren ihre eigenen Erfahrungen. Die Diskussion hat gerade erst angefangen, es gibt noch so viel zu entdecken, so viele Unterschiede zu erforschen, Strategien zu entwickeln und auch Kontroversen auszutragen, Modelle zu formulieren, Schulformen zu entwerfen... Und wer kann das besser als Hochbegabte selbst mit ihrer Neugier, ihrem kritischen Denken und vor allem mit ihrer lebenslangen Erfahrung?
Darum: Lest Manons Buch und schreibt danach Euer eigenes!

Manon Garcia: "Sind Sie noch Katze oder schon Hund. Hochbegabung nach dem Testergebnis"
Books on Demand  ISBN-10: 3839199670  ISBN-13: 978-3839199671   19,95 Euro
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1 Kommentar

  1. huhu nathalie, liebe! wie schön, - end-lich! - wieder etwas von dir zu lesen!

    hast du gestern/vorgestern den zweiteiler gesehen in der ARD "der kalte himmel"? da ging es zwar vordergründig um einen jungen mit autismus in den 60er jahren, hochbegabung spielte eher eine nebenrolle als 'inselbagebung'. die 60er, das war ja auch meine 'kinderzeit', bisweilen fühlte ich mich dem kind sehr nahe. wie er wütend wurde, weil ständig alle an ihm herumzerrten, weil er nicht so war, wie sie ihn haben wollten - das konnte ich sehr gut nachempfinden.
    der junge im film hatte eine mutige mutter, die sehr verständnisvoll war und sich für ihn eingesetzt hat.
    so eine mutter hätte ich auch gerne gehabt. statt dessen hat die ständige botschaft "sei eine andere!" mich sehr zerquält, mit vielen schädlichen folgen. zum beispiel habe ich schon als kind alkohol getrunken, um das auszuhalten, immer eine andere sein zu müssen.
    ich werde mal drüber bloggern, habe es schon länger im kopf: ein schwieriges thema, das mir nicht so leicht in die tasten fließt.

    übrigens: ich bin ein wassertiger. und das ist gut so :-P
    schönes jahr der katze für dich & die anderen!

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