Intelligenztest für Legastheniker

(A.S. Wer auch meinen Legasthenie-Blog entdeckt hatte, der hat diesen Eintrag schon gelesen. Der Kulando-Blog gefiel mir nicht (die Werbung!) und ausserdem lassen sich Hochbegabung und Legasthenie nicht trennen. Deshalb ab jetzt nur noch diesen einen Blog über Begabung.)

Immer mehr Organisationen und Psychologen gehen dazu über, einen nichtsprachlichen Intelligenztest einzusetzen, wenn der Verdacht auf Legasthenie besteht. Auf den ersten Blick scheint das eine logische Entscheidung - aber eben nur auf den ersten Blick. Es gibt einige Gründe, die dagegen sprechen.

Erstens sind Legastheniker sehr unterschiedlich. Manche haben gerade mit visuellen Aufgaben Schwierigkeiten. Für diese Schüler ist ein Test, der vorwiegend auf Formen und graphischen Darstellungen besteht, ungünstig. Andere sind sprachlich sehr begabt, wenn sie nicht schreiben müssen - das wird aber niemand merken, wenn man nur nichtsprachliche Fähigkeiten testet.

Zweitens sind die Ergebnisse eines umfangreichen Intelligenztests, wie z.B. HAWIK, durchaus aussagekräftig. Der HAWIK besteht aus zwei Teilen: einem verbalen und einem performalem, beide bestehen aus mehreren Tests. Die Ergebnisse der verschiedenen Untertests geben Hinweise auf besondere Schwächen - und besondere Begabungen. Selten ist es so, dass ein Schüler in allen Tests des verbalen oder performalen Teils gleich schlecht abschneidet. Viel öfter sieht man sehr unterschiedliche Resultate in den verschiedenen Teilbereichen. Hieraus kann man wertvolle Information für die Legasthenieförderung ableiten.

Ausserdem ist es gerade für legasthene Schüler wichtig, ihre Begabungen zu kennen. Und viele Legastheniker sind auf Teilgebieten hochbegabt! Der Durchschnittswert, der eigentlich IQ, interessiert mich darum kaum, übrigens nicht nur bei Legasthenikern nicht, auch viele nicht legasthene Hochbegabte haben sehr unterschiediche Ergebnisse in verschiedenen Teilbereichen.

Wir sollten Intelligenztests nicht verwenden, um Menschen in "schlau" und "nicht-schlau" zu unterteilen. Sondern sie einsetzen um Begabungen zu entdecken und Förderbedarf festzustellen. Und dafür ist es wichtig, dass der Test viele verschiedene Gebiete misst. Und ganz wichtig: dass derjenige, der den Test durchführt, erfahren und aufmerksam ist. Denn auch hier ist "zwischen den Zeilen" oder eher: "zwischen den Aufgaben" viel Information zu finden. Z.B. wenn ein Schüler bei allen Tests hochkonzentriert mitarbeitet, aber bei einem bestimmten Test wie wild mit dem Stuhl wackelt und aus dem Fenster schaut. Oder wenn, was öfter vorkommt, der Schüler zu schlau für den Test ist. Und dann die Assoziation, die gesucht wird, nicht finden kann. (Was haben ein Auto und ein Flugzeug gemein?, kann manchen schlauen Kerl zu ausführlichen Überlegungen über die Zusammensetzung von Benzin und Kerosin oder die Bauweise der Motoren veranlassen. Auf so etwas Banales wie "beides sind Fahrzeuge" kommt er dann nicht).

Ich nehme mal an, dass der CFT in letzter Zeit nur deshalb so oft eingesetzt wird, weil die Tester den Legasthenikern etwas Gutes tun wollen.

Und nicht, weil der HAWIK so viel teurer und zeitaufwändiger ist?



I
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Breite Begabung

In den letzten Wochen hab ich mir mal wieder das Angebot für Hochbegabte SchülerInnen angeschaut. Im Kopf hatte ich dabei ein 13-jähriges Mädchen, das über breite Interessengebiete verfügt: Pädagogik, Soziologie, Psychologie. Alles was mit Menschen zu tun hat und mit Lernen.
Interessante Themen, wichtige auch.
Aber von Hochbegabten scheint man immer noch zu erwarten, dass sie sich vor allem für Mathe oder die Naturwissenschaften interessieren. Ein vereinzelter Kurs zur Hirnforschung ist bei dem Angebot dabei, aber nichts, das ein sozial interessiertes Mädchen vom Hocker reissen könnte.

Wo bleiben die Thinktanks zu sozialen Fragen? Einführungen in Methoden sozialwissenschaftlicher Forschungen? Angebote für Schüler(innen), die neue Schulformen, Wirtschaftskonzepte oder Utopien entwerfen wollen? Solche Angebote wären enorm wichtig.
Nicht nur, weil es bestimmt einige hochbegabte Mädchen gibt, deren Begabungen vor allem auf dem sozialwissenschaftlichen Gebiet liegen.

Wichtig ist doch auch, dass der scharfe Verstand, die Kreativität und die Energie besonders begabter Schüler nicht in wisschenschaftlichen Nischen oder an theoretischen Fragestellungen verpufft. Dass Wissenschaft nicht Selbstzweck, Unterhaltung, Beschäftigungstherapie wird.
Dass Schüler lernen, die Probleme zu lösen, die ihnen im Alltag begegnen und sie in der Zukunft erwarten. Und ihren Beitrag an der Weltverbesserung zu leisten.

Die Weltverbesserakademie.
Oder so.
Mitdenker willkommen.

Eigentlich wollte ich über ein Buch schreiben. So sieht man mal, wie ein Blog sein eigenes Leben
führen kann..
Das Buch kommt ein andermal.
Für heute hab ich mir selbst genug zum Denken gegeben.

Grüsse von Nathalie
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Pinkwater

Ich habe einen neuen Lieblings-Jugendbuch-Schriftsteller: Daniel Pinkwater. Leider sind nur ein paar seiner Bücher auf Deutsch erhältlich und dann auch nur noch gebraucht, via Amazon. Wer das Glück hat, eine Ausgabe von Alan Mendelsohn, der Junge vom Mars zu finden: zuschlagen! Das Buch ist wunderbar, auch für 42jährige Mütter.
Ich habe mir - auch gebraucht - den englischen Sammelband 5 Novels gekauft (mit Alan Mendelsohn, Young Adult Novel und noch drei weiteren) für 2,99Euro plus 3 Euro Versandkosten. Und den geb ich nicht mehr her!

Wer Englisch verstehen kann, der kann auf der website von Daniel Pinkwater gratis einige seiner Bücher downloaden. www.pinkwater.com

Daniel Pinkwater schreibt für schlaue Menschen. Man muss schon manchmal um eine Ecke denken können, um den wunderbaren Humor zu begreifen. Mr. Pinkwater hält sich auch nicht an die Konventionen und unausgesprochenen Regeln des Jugendbuchs. So ist seine Young Adult Novel nur einpaarundfünzig Seiten lang. Und die Form seiner "Romane" ist oft ebenso ungebräuchlich. Slaves of Spiegel ist eine Sammlung von Radioaufzeichnungen, Dokumenten, Tagebuchaufzeichnungen eines ganz normalen Schülers und Reden eines Weltallpiratenführers. Bei Pinkwater kann man sich nur auf zwei Dinge verlassen: dass man sich auf nichts verlassen kann - und das man am Ende der Geschichte das Gefühl hat, von einer Weltraumfahrt zurückzukommen. Nicht nur, weil Pinkwaters Bücher oft zwischen mehreren Planeten oder Galaxien hin- und herpendeln.
Obwohl die Young Adult Novel auf der Erde bleibt, ist auch hier nicht alles so wie es scheint. Eine Gruppe Aussenseiter hat sich zu einer Dada-Kunst-Gesellschaft zusammengetan. Dahinter steckt eine Strategie, die viele Hochbegabte kennen: mit absurdem Humor die Absurditäten des Schulalltags zu überleben und zu entlarven. Doch dann kommt - in der Gestalt eines einzelnen anderen Aussenseiters - die Dada-Strategie ins Wanken. Denn "über den Dingen stehen" kann man nur, solange die anderen einen in Ruhe lassen.

Auch in Alan Mendelsohn, the Boy from Mars, experimentieren zwei Jugendliche mit Strategien, die für Hochbegabte interessant sind: den Unterricht durch Abwesenheit boykottieren oder durch vollkommene Anwesenheit. Das geht so: Man lässt sich vom Lehrer das Wort geben, steht dann beim Reden auf, läuft, während man Wissenswertes von sich gibt, mit grossen Schritten durch die Klasse und verdräng schliesslich den Lehrer von seinem Platz vor der Klasse und übernimmt den Unterricht.
Wunderbar
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